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Warum GACP-konform angebautes Cannabis höhere Verkaufspreise erzielt

August 19, 2021 | Category : Compliance GACP / GMP | Posted By : Lorenz Minks

Seit die Produktion von CBD-Cannabis und Hanf in immer mehr Ländern der Welt reguliert wird, sinken die Verkaufspreise für CBD-Pflanzenmaterial stetig. In der Schweiz war es zum Beispiel möglich, ein Kilogramm getrocknete CBD-Indoor-Blüten 2017 für über 6000 CHF zu verkaufen. 2021 ist dieser Preis bereits auf 700-1200 CHF gesunken.

Bei diesen Preisen haben viele Hersteller Mühe, ihre Produktionskosten mit jeder einzelnen Charge zu durchbrechen. Denn die Verkaufspreise, insbesondere in der Schweiz, entsprechen heute mehr oder weniger den Produktionspreisen, abhängig vom konkreten Käufer und den spezifischen Produktionskosten einer Anlage.

Diesem Gedanken folgend wird deutlich, dass besonders Produktionsanlagen mit niedrigen Produktionskosten unter diesen Umständen rentabel arbeiten können – vorausgesetzt, sie produzieren gleichzeitig eine hohe Qualität.

Einige Käufergruppen verlangen eine detailliert spezifizierte Produktqualität

Wir möchten jedoch betonen, dass Cannabisunternehmen nicht nur zu niedrigen Produktionskosten produzieren müssen, um profitabel zu arbeiten. Mit bestimmten Zertifizierungen können Cannabisprodukte beispielsweise an jedem Punkt der Wertschöpfungskette Käufergruppen erreichen, die zuvor nicht zugänglich waren. Bei diesen Käufergruppen steigen auch die Verkaufspreise in ungeahnte Höhen.

Die Rede ist von Industriestandards wie Global GAP, GACP oder GMP. Wahrscheinlich haben Sie von diesen Standards bereits gehört, denn sie bilden die Grundlage für Produkte, die in Lebensmitteln (Global GAP) oder pharmazeutischen Produkten (GMP) verwendet und gefunden werden können. Die Zertifizierung auf einem oder mehreren dieser Zertifikate eröffnet neue, höherwertige Märkte für Cannabis-Produkte.

Um einen Überblick zu bekommen, an welchen Stellen der Wertschöpfungskette welcher Compliance-Standard berücksichtigt wird, möchten wir Ihnen folgende Grafiken zur Verfügung stellen:

GACP_GMP_process_differences_cannabis

Wie in der Grafik zu sehen, ist GACP – Good Agriculture Collection Practice – der medizinische Compliance-Standard, der in der Phase des medizinischen Pflanzenanbaus zum Einsatz kommt. Um ein Endprodukt oder einen pharmazeutischen Wirkstoff EU-GMP-zertifiziert zu erhalten, ist es notwendig, vorgängig alle Pflanzen in der Wertschöpfungskette gemäß dem GACP-Rahmenwerk zu produzieren, das unter EU GMP Annex 7 EMA GACP zu finden ist.

Nachdem die Pflanzen geerntet oder getrocknet wurden, wird der GMP-Standard berücksichtigt und ist bei jedem weiteren Verarbeitungsschritt zu beachten. Am Ende kommt es also darauf an, GMP-konform zu sein, was die GACP-Konformität für die Anbaustufen der Produktherstellung einschließt. Hersteller, die den gut bezahlenden medizinischen Markt anstreben, können entscheiden, ob sie sich selbst vollständig nach GMP zertifizieren lassen möchten oder nur ihre Prozesse und Bewegungen nach GACP dokumentieren möchten, was ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Produkte an GMP-lizensierte Hersteller zu verkaufen.

GMP = Good Manufacturing Practices. Dieser Standard ist der „Goldstandard“ für die Herstellung von pharmazeutischen Produkten. GMP-Frameworks gibt es in mehreren Ländern, während die EU-GMP eine der strengsten Regeln hat. Sie sind im EUDRALEX, einer Sammlung von Vorschriften und Verordnungen für Arzneimittel in der Europäischen Union, niedergeschrieben.

Als Cannabisunternehmen können Sie entscheiden, welchen Compliance-Standard Sie am Point of Sale erfüllen möchten

Es gehört zur Entscheidung jedes einzelnen Cannabis-Produktionsunternehmens, wo seine eigenen Prozesse beginnen und enden. Einige konzentrieren sich vielleicht nur auf die Produktion von Biomasse / Pflanzenmaterial, während andere ihre Produkte weiter zu wertsteigernden Produkten wie CBD-Rohöl oder CBD-Isolat verarbeiten möchten. Wenn sich das Unternehmen auf die Produktion von Biomasse in pharmazeutischer Qualität konzentriert, muss es nur die GACP-Richtlinien befolgen und benötigt keine GMP-Zertifizierung. Beachten Sie, wie vorrangig erwähnt, dass es keine Zertifizierungsmöglichkeit für GACP gibt – jedoch müssen GMP-zertifizierte Käufer von GACP-Biomasse ihre Lieferanten auditieren, um ihre eigenen Pflichten für ihre GMP-Zertifizierung zu erfüllen. Aus diesem Grund erhöht die Produktion nach GACP-Richtlinie die Verkaufspreise im Vergleich zur Produktion nach niedrigeren Standards wie Global GAP oder gar keinem Standard. Der Dokumentations-Aufwand verfolgt somit einen klar wertsteigernden Zweck.

Wenn Sie Ihre Anbauaktivitäten in der Cannavigia-Software ordnungsgemäß protokollieren, erhalten Sie ein umfassendes Kulturjournal, das als GACP-konforme Dokumentation Ihrer Pflanzen- oder Produktcharge dient und GMP-zertifizierten Verarbeitungsunternehmen die Bewertung Ihres Produkts erleichtert. Dieser Bericht kann auch auf dem Großhandelsmarktplatz canxchange.eu angehängt werden, wo Sie Ihr Produkt an Großabnehmer verkaufen können. Lesen Sie auch unseren Blogbeitrag über deren spannenden Marktbericht der Cannabis-Branche.

Eine weitgehendere Strategie für Cannabis-Produktionsunternehmen könnte darin bestehen, eine vollständige GMP-Zertifizierung zu erhalten. Dazu gehören externe Audits von staatlich anerkannten Prüfern, die die Gemeinkosten des gesamten Unternehmens erhöhen, aber auch die Verkaufspreise weiter steigern. Beachten Sie, dass für alle Extraktions- und Weiterverarbeitungsschritte eine Zertifizierung nach GMP obligatorisch ist, da dies den rein auf die Pflanzenproduktion beschränkten Geltungsbereich von GACP überschreitet. Dazu gehört beispielsweise die Herstellung von CBD-Ölen oder -Isolaten.

An dieser Stelle möchten wir unterstreichen, dass die Verkaufspreise mit jedem Schritt zu höheren Compliance-Standards steigen, egal ob Sie ein GACP- oder GMP-Produkt als Ihr Endprodukt anstreben. Wenn Sie jedoch nicht auf den medizinischen Markt abzielen, sollten Sie die niedrigeren Global GAP- oder GAP-Standards (Good Agricultural Practice) anstreben, um die Verkaufspreise zu erhöhen, denn für diesen Zweck wäre es ein Stück zu aufwändig, nach GACP-Richtlinien zu produzieren. Die Cannavigia Compliance Software Suite eignet sich für beide Standards.

Höhere Preise für GMP-zertifiziertes CBD-Isolat

Um orientierende Zahlen ins Feld zu führen, kann der Preis für CBD-Isolat ohne Zertifizierung etwa 50% niedriger sein als für CBD-Isolat, das GMP-zertifiziert ist. Beachten Sie, dass EU GMP-zertifiziertes CBD-Isolat in Europa höhere Verkaufspreise erzielt als nicht-EU GMP-zertifiziertes CBD-Isolat aus z.B. Kanada oder die USA aufgrund ihrer leicht unterschiedlichen GMP-Anforderungen.

Die Cannavigia Cannabis Compliance Suite als Baustein für zertifizierte Cannabisprodukte

Die Cannavigia-Software besteht aus vier Modulen: dem Kultivierungsmodul, dem Verarbeitungsmodul, dem Vertriebsmodul und dem Kundenbindungsmodul. Das Kultivierungsmodul unterstützt Sie bei der Erhebung der erforderlichen Daten zur Herstellung von GACP-konformem Pflanzenmaterial als Grundlage für weitere Produkte. Das Verarbeitungsmodul sorgt dafür, dass Sie alle erforderlichen Schritte und Informationen zu etwaigen Verarbeitungsprozessen dokumentieren können, z.B. Pflanzen zu trocknen oder eine Kosmetik aus Ihrem CBD-Rohstoff herzustellen.

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