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Die ICBC ruft: Wenn sich die Cannabisindustrie in Berlin trifft

Juli 26, 2022 | Category : Messen & Events | Posted By : Deon Maas

Der Lärmpegel in Berlin stieg letzte Woche leicht an, als die ICBC in die Stadt kam. Das Treffen erreicht langsam wieder das Niveau von vor Covid und mit allen, die in der Branche Rang und Namen haben, wurde viel erreicht und viel diskutiert. Wenn sich die Cannabisbranche in Berlin trifft, ist Cannavigia mittendrin – dieses Jahr mit einem eigenen Stand und mit einem Panel.  

In dem von Cannavigia-CEO Luc Richner geleiteten Panel diskutierten die drei Experten aus drei verschiedenen Ländern Jörg Meyer-Brenken, Sonny Moerenhout und Aldo Vidinha über europäische Legalisierungsmodelle für Cannabis für Erwachsene. Nach dem Ende der Podiumsdiskussion sprach Cannavigia mit einigen der Teilnehmer.
Nach dem Interview finden Sie den Link zum Panel.

Luc Richner, CEO Cannavigia 

Warum sind die ICBC und ein Panel wie das, an dem Sie teilgenommen haben, so wichtig für die Branche?

Warum sind die ICBC und ein Panel wie das, an dem Sie teilgenommen haben, so wichtig für die Branche?

Es bringt die Teilnehmer der Branche zusammen und hilft, die Branche aufzubauen. Es fördert auch den Austausch zwischen verschiedenen Ländern und verschiedenen Unternehmen. In Bezug auf die Panels: Sie ermöglichen es uns, uns umzusehen und darüber nachzudenken, was geschieht. Ich würde mir eine stärkere Beteiligung der Regierungen an den Gremien wünschen sowie mehr Gegenstimmen.

Zurzeit haben wir pharmazeutische Standards für unser Cannabis wie die GACP und die GMP. Sollten sich diese Regeln ändern, wenn es um den Freizeitkonsum geht?

Die Standards für pharmazeutisches Cannabis sind die höchsten der hohen Standards, so wie sie sein sollten. Es handelt sich um ein medizinisches Produkt, und deshalb darf es keinen Raum für Fehler geben. Diese Standards müssen für Freizeitprodukte nicht eingehalten werden, aber es muss gewisse Standards geben – Einhaltung, Transparenz, Tabakgesetze, Lebensmittelgesetze, Alkoholgesetze. Kein Produkt sollte jemals auf den Markt kommen, ohne dass es irgendwelche Standards gibt.

Zurzeit geht jedes europäische Land bei der Legalisierung unterschiedliche Wege. Glauben Sie, dass sich der nationale Charakter eines Landes in seinem Ansatz widerspiegelt?

Ich denke, jeder versucht, was er für richtig hält. Es wird wichtig sein, die offensichtlichen Fehler, die in der Vergangenheit z. B. in den USA, Kanada und den Niederlanden gemacht wurden, zu beachten. Es gibt eine Menge unterschiedlicher Denkweisen und Prozesse. Ich glaube nicht, dass diese den Charakter des Landes widerspiegeln, sondern eher den Charakter der Menschen, die sie entwickeln. Damit sie den Charakter des Landes annehmen, müssen sich mehr Menschen engagieren und sich in Verbänden organisieren und ihre Meinungen und Beiträge dazu abgeben, was für ihr jeweiliges Land funktionieren würde. 

Wie werden wir die unterschiedlichen Gesetze der verschiedenen europäischen Länder harmonisieren?  

Die Gesetzgebung sollte irgendwann harmonisiert werden, wenn mehr und mehr Länder in die gleiche Richtung gehen und einen Dialog beginnen. Die Industrie sollte einen grossen Druck ausüben, damit dies geschieht, sonst wird es zu einem Problem, wenn jedes Land weiterhin sein eigenes Ding macht. Das Letzte, was irgendjemand will, sind die Probleme, die in den USA und Kanada entstanden sind, wo die Dinge anders gehandhabt wurden. In Europa zieht im Moment jeder an seinem eigenen Strang, und es wird an der Industrie liegen, diesen in die richtige Richtung zu lenken.

ICBC Berlin 22 Panel

Sonny Moerenhout – Managing partner, Cultivators 

Zurzeit geht jedes europäische Land bei der Legalisierung unterschiedlich vor. Glauben Sie, dass sich der nationale Charakter eines Landes in seinem Ansatz widerspiegelt?  

Die meisten Leute denken, dass Cannabis in Holland legal ist, aber das ist nicht der Fall. Es wird toleriert, und die Lieferkette mit den Coffeeshops ist vorhanden, und so sind die Niederländer. Sie finden immer einen Mittelweg. Wenn man sich Deutschland anschaut, gibt es dort viele verschiedene Regeln, obwohl es noch nicht legal ist. Vielleicht ist es also eine Überlegung wert.

Wird Europa jemals an einem Punkt sein, an dem die Gesetze mehr oder weniger gleich sind?

Der erste Schritt ist, Cannabis von der UN-Liste der Betäubungsmittel zu streichen. Das ist immer noch nicht der Fall, es ist nur für medizinische und wissenschaftliche Zwecke erlaubt. Deshalb haben die Niederländer das Coffeeshop-Experiment ins Leben gerufen, um innerhalb der Grenzen des einheitlichen UN-Übereinkommens zu bleiben. Die Harmonisierung der Gesetze ist wichtig, aber es wird Jahre dauern, bis es so weit ist. Je mehr Länder in Richtung Legalisierung gehen, desto eher werden wir sie erreichen.

Im Moment haben wir pharmazeutische Standards für unser Cannabis wie die GACP und die GMP. Sollten sich diese Regeln ändern, wenn es um den Freizeitkonsum geht?  

Nein. Alle Regierungen, die eine Legalisierung anstreben, werden sich an dieselben Regeln halten. Die Standards sollten nicht gesenkt werden. Wir haben Regeln für Lebensmittel und Getränke, die uns daran hindern, Dinge zu essen, die wir nicht essen sollten. Das Gleiche sollte für Cannabis gelten, denn wir brauchen sichere und standardisierte Produkte. Mit anderen Worten, wenn 5% auf der Verpackung steht, muss es auch enthalten sein.

Jörg Meyer-Brenken – Lead Account Manager, Cannabis, Fluence EMEA  

Während der Podiumsdiskussion äusserten Sie die Ansicht, dass der Eigenanbau nicht erlaubt werden sollte. Würden Sie diesen Punkt näher erläutern?  

Wir bei Fluence freuen uns über die bevorstehende Legalisierung von Cannabis für den Freizeitgebrauch in Deutschland. Drei der Hauptziele dieser Legalisierung sind laut der Regierung die Gewährleistung der Produktsicherheit, der Schutz von Minderjährigen und die Unterdrückung des Schwarzmarktes. Ich persönlich finde es gut, wenn der Eigenanbau legalisiert wird, aber wir sehen das Risiko, dass die Erreichung der drei Ziele gefährdet werden könnte. Wir wollen sicherstellen, dass diese Legalisierung richtig geplant und umgesetzt wird.

Im Moment haben wir pharmazeutische Standards für unser Cannabis wie die GACP und die GMP. Sollten sich diese Regeln ändern, wenn es um den Freizeitkonsum geht?  

Letztendlich sind GACP und GMP Praktiken, welche die Produktsicherheit und die Sicherheit der Patienten gewährleisten. Sie könnten auch ein guter Rahmen für den Cannabisanbau in der Freizeit sein, aber sie sollten definitiv nicht den Cannabisanbauern in der Freizeit auferlegt werden. Wir brauchen weniger enge Grenzen, z. B. für die Abweichung des Cannabinoidgehalts. Solange die Produkte sicher und korrekt etikettiert sind, sollten sie vertriebsfähig sein. Es ist dann die Entscheidung des Verbrauchers, ob er das Produkt konsumieren möchte oder nicht.

Schauen Sie sich hier das gesamte Panel an:

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